Brigitte Antonius: “Norddeutschland – was soll ich da?”
Seit 2006 laufen die "Roten Rosen" in der ARD. Die Besetzung hat immer wieder gewechselt, doch eine Schauspielerin ist von Anfang an mit dabei: Brigitte Antonius ist die Grande Dame der Serie.
Es sind lange Drehtage am Set in Lüneburg. Es ist ein hohes Arbeitstempo, und es sind viele Seiten Text: Für Brigitte Antonius ist all das aber kein Problem. Die 92-jährige Schauspielerin steht jede Woche bei den “Roten Rosen” vor der Kamera. “Ich bin nicht hier, um mich bewundern zu lassen, dass ich es noch schaffe”, sagt sie entschlossen. “Ich bin hier, weil ich es schaffe und weil ich noch hier sein will.” Sie ist die Grand Dame der Telenovela. Seit der allerersten Folge im Jahr 2006 ist sie dabei – so lange wie niemand sonst.
Von Wien nach Norddeutschland
Brigitte Antonius wuchs in Wien auf, begann ihre Karriere am Theater und reiste mit Ein-Personen-Stücken um die Welt. Dann folgten Serien, Filme und schließlich die “Roten Rosen”. “Zu den ‘Roten Rosen’ habe ich zuerst Nein gesagt, weil ich dachte, was soll ich dafür jetzt nach Norddeutschland, ein Nachmittagsprogramm, ein Kinderprogramm. Aber dann habe ich doch Ja gesagt, und so bin ich hier gelandet.”

Brigitte Antonius begann ihre Karriere am Theater und hatte zahlreiche Bühnenengagements, zum Beispiel am Wiener Burgtheater, am Schauspielhaus Graz oder am Niedersächsischen Staatstheater Hannover.
Ihre Rolle: Johanna Jansen, eine elegante Dame der Lüneburger Gesellschaft. Sie war Äbtissin, ist Stadtratswitwe, Buchautorin und hat für alle einen guten Rat. Ihre Rolle hat sie immer selbst mitgestaltet. “Ich hatte eine Cousine, die beispielhaft war mit Schmuck und so, die habe ich nachgespielt. Meine Mutter habe ich nachgespielt mit dem Taschentuch, das ich immer trage, und mit den Pumps. Mami hätte nie Schlappen getragen, immer Pumps! Und so habe ich aus meinem Zuhause die Figur gestaltet.”
Sie lernte ihren Text im Kopfstand
Mit den Roten Rosen ist Brigitte Antonius eng verwachsen. Nach langen Drehtagen schlief die Grand Dame früher sogar in ihrer Garderobe – ihre Wohnung war zu weit weg. Herstellungsleiter Kai Pegel kennt sie seit der ersten Stunde. “Ihre ungebrochene Liebe zum Format ‘Rote Rosen’ ist bemerkenswert. Es gibt kaum jemanden, der so stark mit der Sendung verbunden ist wie Brigitte. Durch die starke Auseinandersetzung bleibt sie fit. Als ich sie kennengelernt habe, stand sie an der Wand kopfüber und hat den Text gelernt. Das macht sie heute allerdings nicht mehr”, erinnert sich Pegel lachend.

Die Pumps von der Mutter, den Schmuck von der Cousine – Brigitte Antonius holte sich ihre Inspiration zu Attitüde und Auftreten aus ihrer direkten Umgebung.
Heute halten ihre beiden Hunde Peppi und Poldi sie auf Trab. Dreimal am Tag spaziert sie mit den Terriern durch Lüneburg und trifft immer wieder auf ‘Rote Rosen’-Fans. Jedes Jahr trifft sie sich zudem mit ihrem persönlichen Fanclub. “Ich lade sie ein”, erzählt Antonius, “und wir sitzen dann in einem der Lokale für ein paar Stunden. Das ist wirklich immer sehr nett.” Mit ihren treuen Fans im Rücken und ihrer Freude am Spielen denkt die 92-Jährige nicht ans Aufhören. “Solange ich kann, kann ich. Und wenn ich nicht mehr kann, höre ich auf. Ganz einfach. Das wird, hoffe ich, nicht morgen sein, sondern erst übermorgen.”








