Rote Rosen

Später Start ins Fernsehgeschäft Der Neue bei „Rote Rosen”: Warum Florian Odendahl im Pickup von Colt Seavers fahren wollte

Florian Odendahl spielt bei der ARD-Telenovela "Rote Rosen"  mit der Rolle des Richard Kaiser eine sehr komplexe Figur.

Der Münchner Florian Odendahl spielt bei der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ Richard Kaiser. Im Gespräch mit der LZ erzählt er, warum diese Rolle so komplex ist und ob er in Lüneburg die Berge vermisst.

Lüneburg. „Hier war ich schon mal“, wusste Florian Odendahl, als er im März dieses Jahres zum Casting der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ nach Lüneburg kam. „Tatsächlich war ich hier als Zehnjähriger mit meinen Eltern auf Fahrradurlaub. Mit dem Zug ging es von München nach Celle, von dort mit den Rädern samt vollgepackten Satteltaschen und Zelt über Lüneburg, Scharnebeck, Lauenburg und Hamburg.“

In Hamburg stand der 51-Jährige im vergangenen Jahr für mehrere Monate auf der Bühne des Winterhuder Fährhauses – in der Komödie „Weiße Turnschuhe“ an der Seite von Jochen Busse. Den Norden hat Odendahl in dieser Zeit schätzen gelernt: „Die Berge fehlen mir nicht, die laufen ja nicht weg“, sagt er lachend. „Natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde in München, weil ich selten zu Hause bin. Aber viel unterwegs zu sein, gehört zu meinem Beruf, und das war ein Traum von mir. So lernt man Land und Leute wirklich kennen. Das ist viel spannender, als nur kurz in einem Hotel zu bleiben.“

Seit Mai steht Florian Odendahl nun für die Rosen vor der Kamera. Er spielt „Richard Kaiser“, den Sohn der ehrgeizigen Immobilienunternehmerin Victoria. Als „charmant, intelligent und manipulativ“ wird Richard beschrieben. „Ja, Richard ist schon eine sehr ambivalente Figur“, meint Odendahl mit einem Schmunzeln. „Aber ich mag ihn. So eine komplexe Rolle mit diesen Extremen hatte ich bisher noch nie.“

Richard ist charmant zu Damen und Herren gleichermaßen. „Er ist sehr frei, auch in seiner Sexualität“, erklärt der Schauspieler. „Er mag keine festen Bindungen, geht aber ehrlich damit um. Das finde ich fair.“ Richards Vielschichtigkeit, glaubt Odendahl, wurzelt in der schwierigen Beziehung zu seiner Mutter. „Mir war wichtig, dass Richard nicht einfach ein Bösewicht ist, der Menschen quält. Seine innere Leere hat familiäre Ursachen und mit dem frühen Tod seines Vaters zu tun.“

Erst Ausbildung bei der Versicherung, dann Schauspielschule

Schon als Kind faszinierte Florian Odendahl die Welt des Fernsehens. „Mein großer Traum war es, in einem Western mitzuspielen oder mit Colt Seavers im Pickup durch die Canyons von Los Angeles zu fahren“, erinnert er sich. Doch anstatt Schauspiel zu studieren, machte er zunächst eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und arbeitete rund sechs Jahre in diesem Beruf. Nebenbei spielte er Gitarre in verschiedenen Bands – außerdem wuchs er mit der Gebärdensprache auf: „Meine Großeltern mütterlicherseits waren gehörlos. Als Kind war ich nach der Schule häufig bei ihnen, und das war dann wie eine zweite Sprache für mich.“

Mit 25 Jahren zog Odendahl die Reißleine: Schluss mit Büroalltag und dem geregelten Leben. „Ein befreundeter Schauspieler nahm mich mit zum Laientheater. Nach ein paar Auftritten wusste ich: Ich muss Schauspieler werden. Mir war klar, dass ich nicht bis zur Rente am Schreibtisch sitzen will.“

Zwischen Taxischein und Aufnahmeleiterassistent

Für diesen Traum gab Florian Odendahl vieles auf. „Ich ging zur Schauspielschule, machte den Taxischein, arbeitete in Bars, fuhr Lkw und war Aufnahmeleiterassistent. Ich habe mich Stück für Stück in die Branche hineingearbeitet.“ Von 2008 bis 2019 verkörperte er einen Rechtsmediziner in der ZDF-Krimiserie „SOKO München“.

Von all diesen Erfahrungen profitiert er bis heute. „Vielleicht war es gut, dass ich erst später angefangen habe. Mit Lebenserfahrung hat man mehr Material für die Rollen. Ich bin durch Höhen und Tiefen gegangen, war als Kind sehr schüchtern. Doch ich habe gelernt, über meinen eigenen Schatten zu springen. Diese Entscheidung bereue ich keinen Tag.“

Zum Ausgleich mit dem Oldtimer cruisen

Auch die Arbeit bei den Rosen empfindet er als Bereicherung: „Das Pensum ist enorm, aber das Team ist großartig. Das macht die Arbeit angenehm.“ Seine Erfahrungen helfen ihm, gelassen zu bleiben: „Scheitern gehört zum Leben. Am Set steht man oft großen Herausforderungen gegenüber. Manchmal denke ich nach einer Szene: Was hast du da gemacht? Aber bei diesem Tempo ist Perfektion kaum möglich. Wichtig ist, topvorbereitet ans Set zu kommen – für Proben oder Improvisation bleibt kaum Zeit.“

Wenn der 51-Jährige in seiner Heimat München ist, genießt er seine freien Tage mit Musik, Motorrad oder Oldtimer. „Mit meinem alten BMW durch die Gegend zu cruisen, das ist wie beim Schauspiel – da zählt der Moment, das verlangt volle Aufmerksamkeit.“

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